Blogpostreihe "Was willst du eigentlich mal werden?"

Montag, 15. Juli 2013

Hallo ihr Lieben, 

heute kommt mein Beitrag zur Blospostreihe "Was ich als Kind werden wollte und was nun aus mir geworden ist". Gestern erzählte Bella von ihrem Wandel von der Prinzessin über die Sportjournalistin zur Pädagogin und morgen könnt ihr über Sandrina's Werdegang mehr erfahren. Und heute werdet ihr ungewohnt viel Text hier lesen und dürft einen Blick in die Bilder meiner Kindheit werfen! 


Nun ja. Wo fange ich an? Am besten ganz am Anfang! Wenn ich heute drüber nachdenke, dann haben mich meine Eltern ziemlich stark in meiner Berufswahl beeinflusst – wenn auch nicht direkt. Ich kann mich schleierhaft daran erinnern, wie ich meiner Mama beim Heftekorrigieren "half" und auf ihre höflichen Hinweise a lá "Natalia, ich muss doch arbeiten" einen wichtigtuerischen Gesichtsausdruck aufsetzte und in dem gleichen Ton erwiderte: "Ich arbeite auch!". Dabei schnappte ich mir irgendein Wörterbuch, meist auf dem Kopf stehend, und versuchte beschäftigt zu wirken. Meine Mama arbeitete zu dieser Zeit als Dozentin für Deutsch und Englisch an unserer lokalen Uni in Russland, später Deutsch und Latein an der Medizinfakultät.
Mir gefiel dieser Gedanke "Ich mache etwas Wichtiges" wohl schon damals ziemlich, unabhängig davon, was getan werden musste. Ich fand es auch ziemlich cool Schule zu spielen und mit rotem Stift Markierungen in meine alten Hefte zu machen. Meist spielte ich mit Freundinnen und war irgendwie immer die Lehrerin. Bin nur ich so seltsam, oder habt ihr das auch gern gemacht? Und besonders toll fand ich es, wenn ich mit meiner Mama zur Arbeit gehen durfte, also an die Uni. Für sie muss es wohl ziemlich stressig gewesen sein und sie versuchte es zu vermeiden, mich mitzunehmen. Aber ich war begeistert. Obwohl ich wenig in den ganzen fremdsprachigen Wörterbüchern verstand, herrschte so eine tolle Atmosphäre. Ich erinnere mich an Tee und Kuchen, gemütliche Sessel, viele Zimmerpflanzen und wichtig aussehende Menschen mit Brillen und Blazern. Alle Studenten wirkten total interessiert und klug, sodass ich es kaum erwarten konnte, selbst zu studieren. 


Weiterhin erinnere ich mich daran, dass ich hin und wieder meinen Papa bei der Arbeit besuchte. Er war mal bei unserem lokalen Fernsehsender angestellt. Später arbeitete er in einer Werbeagentur, die jedoch auch Ton- und Videoaufnahmen selbst produzierte. Besonders faszinierend war die Kabelmenge sowie die Menge an piepsenden, leuchtenden, schwarzen Geräten, die alle unverständliche Dinge taten. Und es roch so charakteristisch nach Medien, dass ich immer noch ein gutes Gefühl habe, wenn ich beim Fernsehen oder Radio unterwegs bin. Mein Papa filmte die ersten zehn Jahre meines Lebens auch ziemlich häufig: Alle Auftritte im Kindergarten oder mit der Ballettschule wurden festgehalten, wir filmten unsere Ausflüge und einfach mal zum Spaß daheim. Auch wenn ich die Technik nicht verstand, fand ich es ziemlich cool, die Videos anzusehen. 


In der Zwischenstufe zwischen "Kindheit in Russland" und meinem jetzigen Studium lagen viele Ideen. Wie ich heute sehe, waren sie auch nie mehr als Wünsche, Modelle und Vorstellungen von etwas, was ich mal machen könnte: Kunstlehrerin, Innenarchitektin, Architektin, Archäologin, Bauingenieurin, Musikerin, Jazzpianistin, freischaffende Künstlerin und Mitglied einer berühmt gewordenen Band. Aus all dem wurde selbstverständlich nie etwas. Kurz nach dem Abitur entschloss ich mich, Kommunikationsdesign zu studieren und verbrachte Tage und Nächte mit meiner Mappe. Parallel schrieb ich mich für den innovativ klingenden Studiengang "Energieeffizientes Planen und Bauen" und für "Medien und Kommunikation" in Augsburg ein. Die Mappe wurde genommen, ich jubelte. Und bestand die praktische Prüfung nicht. Nach einer kurzen niedergeschlagenen Phase sah ich ein, dass es wohl "nicht meins" war und suchte nach weiteren Lösungen. Da gab es ja noch die Wahl zwischen "Planen und Bauen" und MuK. 



Jetzt fragt ihr euch sicherlich: Wie hängt das jetzt zusammen? Heute studiere ich "Medien und Kommunikation" in Augsburg. Dieser Studiengang setzt sich aus den zwei Säulen Kommunikationswissenschaften und Medienbildung zusammen. Seht ihr die Verbindungen zu den Berufen meiner Eltern nun? Eigentlich verrückt, wenn ich so drüber nachdenke. Vielleicht suche ich auch nach Verbindungen, um mir meine Studienwahl zu erklären. Jedenfalls ist es genau diese potentielle Mischung aus Medientheorie, Inhalten und Technik sowie Medienpädagogik und meinem Ergänzungsbereich Psychologie, die mir (fast) alle Wünsche erfüllt.

Jedoch stelle ich bei mir immer noch dieselben Tendenzen fest, wie in der Kindheit. Lange Zeit war es mir wichtig, was ich STUDIERE, unabhängig davon, was ich dann arbeiten werde. Ich wollte einfach endlich an die Uni und stellte mir das immer noch so cool vor, wie in der Kindheit bei meiner Mama in der Arbeit. Lauter schlaue Menschen, kluge Gespräche, Lernen für's Leben. Schnell merkte ich, dass das Studium idealerweise in einen praktikablen Beruf übergehen sollte und wandte mich von zu viel Theorie ab. Heute weiß ich zwar immer noch nicht konkret, was ich für einen Beruf ausüben werde, aber ich überprüfe jedes Bisschen an theoretischen Stoff daran, ob ich es anwenden könnte oder nicht und suche ständig nach Verbindungen zur konkreten Arbeitswelt.

Wie es weitergehen wird, ist auch mir noch nicht ganz klar. Jedoch hört sich das alles, was ich hier in einem Sturm von Erinnerungen für euch notiere, ganz konsequent und logisch an. Das war es freilich nicht immer und ich hoffe darauf, dass sich die heutigen Entscheidungen in Zukunft als genau so konsequent und sinnvoll erweisen werden.

Und nun, wenn ihr von meinen Erinnerungen und Erlebnissen komplett erschlagen seid: Wie ging/geht es euch mit der Berufswahl? Stellt ihr einen Bezug zu euren Verwandten her? Seid ihr eurem Kindheitstraum nachgegangen? Freue mich sehr über eure Meinungen!


Und weil letztes Mal die Imagemap doch nicht funktionierte, hier eine Tabelle aller Blogger, die bei der Aktion mitmachen:


02.07. Jennifer 03.07. Phepe 
04.07. Jule 05.07. Sara 
06.07. Lisa 07.07. Genya 08.07. Nina 
09.07. Jasmin 
10.07. Sabrina 
11.07. NiNespo 12.07. Svetlana 
13.07. Nikki 14.07. Bella 15.07. Natalia
16.07. Sandrina 17.07. Anne
18.07. Nicole 20.07. Mark 21.07. Riiko 
22.07. Alexandra 23.07. Julia 24.07. Elena
26.07. Petra 27.07. Mia
28.07. Isabelle 29.07. Leeri
30.07. Sarina 31.07. Anni

Kommentare:

  1. Hmm, ich habe mich entschieden Informatik studieren zu gehen und beende gerade mein Ferstudium als Grafikerin. Aber meine Eltern haben beide nicht so viel damit am Hut. Mein Vater hat nur früher oft an PCs rumgebastelt und wir hatten auch immer Computermagazine zu Hause.
    Vielleicht hat mich das doch etwas beeinflusst...

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  2. Ich finde das total spannend diese Posts zu lesen. Sehr gut geschrieben!!!
    Alles Liebe, Cathi von Carpe Kitchen!

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  3. Diese Reihe finde ich richtig spannend, mal so den Weg von anderen zu hören. Erst kam mir der Eindruck, dass die Eltern viel Einfluss haben, ziemlich bekannt vor. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, haben sie mich gar nicht so sehr beeinflusst. Aber ich wusste, ich kann mit jeder noch so verrückten Idee ankommen und sie unterstützen mich.
    Nach dem Abi habe ich ein FSJ Kultur gemacht, was mich rückblickend schon geprägt hat. Letztendlich wusste ich aber doch nicht, was ich genau will und habe angefangen, Germanistik zu studieren. Mein erster "echter" Kindheitsberufswunsch war Autorin, die Liebe zu Buch und Sprache hab ich mir also erhalten. (; Danach würde ich gerne in einem Verlag arbeiten und mich mit dem digitalen Wandel beschäftigen. Und da kommt dann doch wieder mein Vater ins Spiel - wir hatten schon sehr früh einen Computer und er hat mir früh die Vorteile von digitalem Arbeiten gezeigt.

    Insgesamt finde ich es schwer, sich zwischen diesen ganzen Möglichkeiten zu entscheiden, die man nutzen könnte. Ich hätte z.B. rücklickend gerne eine Ausbildung gemacht, aber hinterher ist man wohl immer schlauer. (;

    Liebe Grüße, Elena

    PS: Supersüße Bilder (:

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  4. Du warst als Kind UNGLAUBLICH süß. Wow.

    Schön geschrieben und sau interessant, wie sich bei Dir alles ergeben hat.
    Ich werde Lehrerin, meine Vater ist ein Hardcore 24/7 Personalbereich-Bürokerl, meine Mutter hat Verkäuferin gelernt. Ich glaube, wenn meine Eltern Lehrer wären, würde ich es nicht werden wollen. BWL finde ich grauenvoll, kassieren ging mal während dem Studium, aber mein ganzes Leben könnte ich damit niemals verbringen :D

    Liebste Grüße!
    Maria

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  5. Noch ein kleiner Nachtrag zu meinem Riesenkommentar, weil du ja gefragt hast: Ich habe mein FSJ Kultur in einer sehr untypischen Stelle gemacht, in einer Psychiatrie. Ich war mit drei anderen für das Kulturprogramm der Patienten zuständig. Also z.B. Kinobesuche planen, eigene Workshops anbieten oder mein Lieblingsprojekt: Ein Theaterstück, das wir mit Patienten umgesetzt haben.
    Für mich war es gut, ein Jahr in die Arbeitswelt hineinzuschnuppern. Psychologie o.ä. wäre aber nichts im Studium gewesen. Sehr weitergebracht haben mich auch die 4 Seminarwochen, würde ich sagen.

    Ups, schon wieder so viel Text (;

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  6. Durch mein en Urlaub komm ich erst jetzt dazu, hier mal wieder ein bisschen zu gucken. Wow, das ist ja wirklich ein ganz toller Post. Man merkt richtig, wie du das Thema auch für dich selbst reflektierst. Sehr interessant zu lesen!
    Du hattest ja auch nach meinem Job gefragt, vonwegen Stress und so... Tja, ich arbeite im Online-Versandhandel und mache überwiegend Kundenbetreuung und Reklamationsbearbeitung - und nebenbei noch jede Menge anderes Zeugs:)
    LG

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